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Selbst in Fachkreisen wird für diese Pflanzengruppe immer noch der Begriff „Frostkeimer“ verwendet, obwohl dies rein gärtnerisch gesehen alles andere als richtig ist. Nach und nach setzt sich der Fachbegriff „Kaltkeimer“ durch.

Artenvielfalt
Zu den Kaltkeimern gehören sehr viele Stauden, insbesondere solche aus dem alpinen Bereich. Viele dieser Pflanzen sind bekannte Gartenpflanzen. Dazu gehören verschiedene Asternarten, Adonisröschen, Astilben, Bergenie, Buschwindröschen und andere Anemonengewächse, Christrose, Eisenhut und Enzian, verschiedenen Glockenblumen, Primeln, die meisten Steinbrechgewächse, aber auch Lilien oder der Rote Sonnenhut, Veilchen, Tränendes Herz sowie die Trollblume. Die Liste ist natürlich noch bedeutend länger. Wer qualitativ hochwertiges Staudensaatgut kauft, findet auf der Verpackung auch immer entsprechende Hinweise. Eine große Anzahl heimischer Gehölze zählt ebenfalls zu den Kaltkeimern, so auch die Rose.
 
Aussaat
Die Aussaat der Kaltkeimer läuft zunächst einmal alles andere als kalt ab. Gänzlich falsch wäre es, die Aussaat in kleinen Gefäßen vorzunehmen und diese unvermittelt in einem Tiefkühlschrank unterzubringen. Das Zellwasser in den Samen würde schockgefrieren und das Saatgut zerstören. In der freien Natur käme eine derartige Situation auch nicht vor, vielmehr senken sich die Temperaturen gleichmäßig ab, wodurch dann die Keimphase eingeleitet wird.
Die Aussaat von Kaltkeimern ist zwischen November und März möglich. Das Saatgut der meisten Kaltkeimer ist fast immer sehr fein und muss nicht abgedeckt, sondern nur leicht angedrückt werden. Als Substrat eignet sich eine hochwertige, sterile Aussaaterde, die am besten in kleine Styropor-Aussaatschalen eingebracht wird. Die ausgesäten Schalen werden dann zunächst bei Zimmertemperatur aufgestellt und mit ausreichend Feuchtigkeit versorgt. Bei diesem Vorgang, der etwa 14 Tage dauert, soll das Saatgut langsam aufquellen. Während dieser Zeit kommt es immer wieder vor, dass Teile des Saatguts ohne jegliche Kälteeinwirkung direkt mit der Keimung einsetzen. Solche „Pflänzchen“ sollte man pikieren und weiterkultivieren und keineswegs der nachfolgenden Kältebehandlung aussetzen.
Dieses vorzeitige Keimverhalten ist eine gewollte Schutzmaßnahme der Natur, die bekanntlich nichts dem Zufall überlässt und so für den Artenerhalt sorgt. Wie hoch die Anzahl dieser „Frühchen“ ist, hängt vom Saatgut und der Art ab.
Nach Ablauf der Quellphase stellt man die Aussaatgefäße ins Freiland am günstigsten unter einer leichten Schneedecke. Sie schützt man vor Vögelschnäbeln und Nagern am besten durch ein Hasendrahtgeflecht.
Durch die Kälteeinwirkung finden in dem aufgequollenen Saatgut nun langsam verschiedene chemische und biologische Prozesse statt, die die Keimung bewirken. Bei besonders feinem Saatgut lohnt sich eine Vermischung mit feuchtem Sand, der sehr flach in kleine Plastikbeutel gefüllt wird. Auch hier erfolgt zunächst eine Warmphase und danach eine Unterbringung im Kühlschrank bei Temperaturen bis 0 °C. Danach erfolgt die direkte Aussaat.
 
Tipp
Ein richtiger Stauden- oder Gartenfreund wird sich von diesem interessanten, aber doch recht komplizierten Verfahren sicherlich nicht abschrecken lassen. Für alle anderen gibt es zudem eine sehr interessante Alternative, bei dem das Aussäen von Kaltkeimern zum Kinderspiel wird. Ein sehr bekannter Staudenzüchter (Firma Jelitto) hat in den 1970er-Jahren ein Verfahren entwickelt, um gezielt die naturbedingte Keimruhe bei Kaltkeimern aufzuheben. Dieses Saatgut wird unter dem Markennamen GOLDKORNSAMEN® vertrieben. Es benötigt keine Kühlperiode und keimt unverzüglich und gleichmäßig, je nach Art, innerhalb von 10 bis 28 Tagen. Inzwischen sind etwa 290 verschiedene vorbehandelte Arten und Sorten erhältlich.


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